Vierte Seminarfahrt „Demokratische Beteiligung der Geflüchteten“

Vierte Seminarfahrt „Demokratische Beteiligung der Geflüchteten“

Vom 24. bis zum 26. Mai 2019 fand ein weiteres Wochenendseminar mit einer Gruppe von 17 Geflüchteten in der Jugendherberge Gerolstein statt. Die TeilnehmerInnen kommen u.a. aus Syrien, Irak und Ägypten und leben teilweise wenige Monaten und teilweise bereits mehrere Jahre in Deutschland.

Am Freitagabend begann das Programm mit einer Vorstellungs- und Kennenlernrunde. Daraufhin wurden in einem interaktiven Spiel einige Probleme der Geflüchteten thematisiert. Dabei stellte sich für alle wahrnehmbar heraus, dass viele der Probleme nicht nur individuell auftreten, sondern dass eine Vielzahl der TeilnehmerInnen bereits ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Zwei große Themenkomplexe dominieren hierbei in der Gruppe: Erstens der Wunsch nach Unterstützung im Alltag, also zum Beispiel Übersetzungshilfen bei Amtsterminen, Arztbesuchen, usw., und zweitens konkrete Probleme mit der Situation als Geflüchtete, etwa mit dem Zusammenleben in den Unterkünften. Fazit des ersten Abends war, dass eine Stärkung der internen Kommunikation, also der Austausch der Geflüchteten untereinander, den Umgang Schwierigkeiten im Alltag erleichtern kann, aber auch, dass eine Kommunikation nach außen von Bedeutung ist, um in der Gesellschaft höhere Sichtbarkeit zu erlangen und die Menschen in Deutschland für die eigene Situation zu sensibilisieren.

Am Samstag leitete Iren Gabriel, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der Grünen im Landtag NRW, das Seminar und ging explizit auf das Thema Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit ein. Einleitend ging es im ersten Block um das 70. Jubiläum des deutschen Grundgesetzes, die Grundrechte im Einzelnen und vor allem um die Meinungsfreiheit. In einer praktischen Übung wurde vermittelt, welche Aussagen und Inhalte geäußert werden dürfen und welche nicht.

In einem zweiten Block überlegten dann die TeilnehmerInnen selbst, welche Inhalte sie nach außen tragen möchten und wen sie damit ansprechen wollen. Es wurde geübt, wie man seine Interessen so formulieren kann, dass sie Aufmerksamkeit erwecken und Gehör finden. Bezüglich der Inhalte wurden insbesondere zwei Themenbereiche genannt: die Situation von Diskriminierung und Verfolgung in den Herkunftsländern und die Situation von Geflüchteten in Deutschland.  Als Zielgruppe wurden u.a. politische und kirchliche Organisationen genannt. Es wurde hier auch auf die politischen Ebenen des deutschen Föderalismus verwiesen und die Möglichkeit genannt, Petitionen zu starten.

Im dritten Block wurde anhand des aktuellen Beispiels Greta Thunbergs verdeutlicht, wie mithilfe von Vernetzung und der Nutzung von Sozialen Medien aus dem Engagement einer einzelnen Person eine weltweite Bewegung entstehen kann. Als Möglichkeit einer effektiven Selbstorganisation wurde dabei die Möglichkeit präsentiert, einen Verein zu gründen, was auf hohes Interesse bei den TeilnehmerInnen stieß. Ebenso wurde darüber diskutiert, wie man die Sozialen Netzwerke öffentlichkeitswirksam nutzen kann.

Im vierten Block bildeten die TeilnehmerInnen zwei Gruppen. Eine Gruppe arbeitete an der Idee der Vereinsgründung und präsentierte anschließend erste Ergebnisse zu den Überlegungen, welche Ziele der Verein konkret vertreten könnte und wie er sich organisieren kann. Auch hier spielte der Informationsaustausch der Geflüchteten untereinander ebenso die Weitergabe von Informationen an die deutsche Gesellschaft eine große Rolle. Als mögliche Aktivitäten wurden die Organisation von Demonstrationen, die Vernetzung mit anderen Vereinen und Organisationen sowie die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen genannt. Die zweite Gruppe arbeitete an einem Konzept für einen Auftritt des Vereins bei Facebook.

Am letzten Seminartag wurde dann noch einmal rekapituliert, welche neuen Kenntnisse und Informationen vom Vortag mitgenommen werden und wie es mit in der Umsetzung der Pläne weitergehen kann. Konsens war dabei, dass die Vereinsgründung ein wichtiger Schritt für die Selbstorganisation darstellt. Hierfür wollen die TeilnehmerInnen weitere Geflüchtete zur Mitarbeit mobilisieren und die Überlegungen zur Zielsetzung des Vereins konkretisieren.

In der Feedback-Runde zum Abschluss des Seminarwochenendes wurde dann vor allem eins deutlich: Gemeinsam kann man mehr erreichen!